Silvia Siemes / DE

Frei von psychologisierenden Momenten und vordergründig sozialkritischen Bezügen trifft Silvia Siemes mit ihren ganz auf sich selbst konzentrierten, den Blick hinaus ins Irgendwo gerichteten Figuren ein grundlegendes Lebensgefühl. Inmitten von immer enger werdenden Ansprüchen, in denen sich der Mensch innerhalb seines gesellschaftlichen Daseins ausgesetzt sieht, entziehen sich die Skulpturen diesem Zugriff. Sie behaupten einen Anspruch auf individuellen Rückzug und fungieren unverkrampft als post-moderne Sehnsuchtsfiguren: einen Moment dem Lebenszusammenhang entfallen.

In den privaten Raum eingelassen, geben die Figuren keine Antworten, sondern stellen Fragen, sind Zeugen für vorüberziehende Lebensgeschichten mit dem unnahbaren Blick in die Ferne und umgeben von einem Hauch der Vergänglichkeit.

ARTIST- STATEMENT

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Text zur künstlerischen Arbeit von Silvia Siemes:

Die Darstellung der menschlichen Figur bleibt von einer Aura des sinnträchtig Bedeutsamen umgeben. Es versteht sich nicht von selbst, aus Materie ein Abbild zu formen, gerade in einer Ära digitaler Reproduktionsvielfalt. Dass figürliche Plastik in dieser Hinsicht zeitgenössisch zu sein vermag, zeigen die Arbeiten der Bildhauerin Silvia Siemes.

Das Ausgangsmaterial Tonerde wird nicht verleugnet, Virtuosität hält sich zurück, eine materiale Unschärfe bestimmt die Darstellung, macht sie ambivalent in sich. Die Referenz behauptet nicht sich, sondern wird gleichsam flüchtig, rückt ab, je näher man tritt je mehr. Doch der Preis dieser sachten Abstraktion ist keine Abkürzung der Figur – künstlerisch-handwerklich bleiben Erfassung und Wiedergabe des menschlichen Körpers, der Gesichtszüge souverän, Individualität bietend wie sonst nur ein Portrait. Auch das Belassen des am Ende glanzlosen, matt-kalkigen, fast rohen Mediums ist ein wichtiges Moment für die Wirkung der Arbeiten. Das Darstellende geht nirgend vollends auf im Dargestellten.

Die Figuren entfalten ein stilles Spiel aus Differenzen, und sie tun dies auf allen Ebenen, inhaltlich, formal, ja stofflich. Indem Mittel und Material geradezu klassisch sind, stellt Silvia Siemes die Fragen der Kunst, mithin die Frage nach dem Menschen erneut, hier und heute: Die Fragen bleiben bestehen. Nichts hat sich erledigt, gar erfüllt…

Textauszug nach Dr. Walter Lokau
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